MOBIPRO-EU

The job of my life

Im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit führen wir seit 11.01.16 ein neuartiges Projekt durch, das insgesamt 23 rumänischen jungen Erwachsenen eine betriebliche Ausbildung ermöglichen soll. Das Projekt wird sehr ausführlich auf www.thejobofmylife.de beschrieben.

 

 

Übersicht

Nach den Prognosen des Bayerischen Landesamts für Statistik wird der demografische Wan-del in der Region Weiden in den kommenden Jahren deutliche Auswirkungen, insbesondere auch auf den regionalen Ausbildungsmarkt haben. Für die kreisfreie Stadt Weiden wird bis zum Jahr 2031 ein Bevölkerungsrückgang von etwa 5% prognostiziert, für den Landkreis Neustadt/WN. bis zu 10 Prozent.
Durch die Veränderung der Altersstruktur wird das Erwerbspersonenpotenzial erheblich ab-nehmen, bei der Altersgruppe der unter 18-Jährigen wird mit einem Rückgang um mehr als 20 Prozent gerechnet. Auf dem Ausbildungsmarkt zeigen sich bereits erste Auswirkungen dieser demografischen Entwicklung: In den letzten Jahren überstieg die Anzahl der angebotenen Ausbildungsstellen die der Bewerber jeweils deutlich. Der Ausbildungsmarktbericht der Ar-beitsagentur Weiden vom März 2014 stellt fest, dass für jeden gemeldeten Bewerber rechne-risch 1,15 Ausbildungsplätze vorhanden sind. Ende August 2014 waren im Agenturbezirk noch 477 Ausbildungsstellen als unbesetzt gemeldet. Besondere Probleme bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen gibt es im Ausbaugewerbe, im Metall- und Elektrobereich und in der Pflege.
Ende 2013 wurde für die Stadt Weiden ein „Handlungskonzept demografischer Wandel“ er-arbeitet. Eines der darin vorgesehenen Handlungsfelder zur Lösung der beschriebenen Prob-leme ist die Gewinnung von Potenzialen von außen. Bei den regionalen Betrieben besteht eine erkennbare Bereitschaft, Jugendliche aus dem EU-Ausland auszubilden.
In einer gemeinsam mit dem Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Weiden und der Kreis-handwerkerschaft Nordoberpfalz durchgeführten Erhebung bei Betrieben aus dem Metall- und Elektrobereich erklärten sich 12 Betriebe bereit, geeignete EU-Bürger auszubilden. Insgesamt stünden in den entsprechenden Betrieben 23 Ausbildungsplätze zur Verfügung.

Ablauf des Projektes

Es ist folgender Ablauf vorgesehen:
-    Februar – April 2015: Teilnehmergewinnung, Teilnehmervorbereitung im Ausland, ggf. Gewinnung weiterer Ausbildungsbetriebe, Konkretisierung der Planung von Praktika und Ausbildungen mit den Betrieben, Prüfung der Ausbildungsberechtigung
-    Mai – Juli 2015: Ausbildungsvorbereitende, jeweils 6-wöchige Praktika
-    Juli/August 2015: Fortführung des Kontakts zu den Bewerbern, vorbereitende Aktivitäten im Hinblick auf die Ausbildung
-    1.9. 2015: Ausbildungsaufnahme
-    September 2015 – August 2018 (bzw. Januar 2019 bei 3½- jährigen Ausbildungsberufen): Ausbildung im Betrieb mit individuellen Unterstützungsangebote für TN und Betrieb
-    ggf. bei Nicht-Bestehen der Abschlussprüfung: einmalige Verlängerung des Ausbildungs-zeitraums (bis zum nächsten Prüfungszeitpunkt, i.d.R. ca. ½ Jahr
-    beginnend jeweils ca. ½ Jahr vor Ausbildungsende: Maßnahmen zur beruflichen Integra-tion nach Abschluss der Ausbildung.

Teilnehmergewinnung

Ausgangspunkt für die Teilnehmergewinnung ein Anforderungsprofil für die jeweilige Aus-bildungsstelle, das gemeinsam mit dem Betrieb ausgearbeitet wird und der ZAV der Bundes-agentur für Arbeit zur Verfügung gestellt wird. Die eingehenden Bewerberprofile werden zunächst gemeinsam mit dem Personalverantwortlichen des jeweiligen Ausbildungsbetriebs gesichtet und es wird festgelegt, mit welchen Bewerbern Kontakt aufgenommen werden soll.

Teilnehmervorbereitung

Maßgebliche Voraussetzung für die Teilnahme am Projekt sind entsprechende Sprachkennt-nisse – Niveau B1 des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen. Dies wird durch die Teilnahme an entsprechenden Sprachkursen bei einem geeigneten Träger (Goethe-institut oder anderer zertifizierter Träger) im Herkunftsland sichergestellt.

Ausbildungsvorbereitung

In einem 6-wöchigen Praktikum sollen die Teilnehmer Gelegenheit erhalten, das duale Aus-bildungssystem sowie den späteren Ausbildungsbetrieb kennenzulernen und sich ein mög-lichst differenziertes Bild darüber machen, was sie während der folgenden Jahre erwartet. Der jeweilige Durchführungszeitraum soll im Rahmen des Zeitfensters Mai bis Juli (ggf. auch frühererer Beginn) individuell festgelegt werden.

Ein weiteres Aufgabenfeld der GSI ist die begleitende Sprachförderung der Teilnehmer. Diese erfolgt zum einen als berufsbezogener Sprachunterricht im Umfang von 8 Unterrichtsstunden pro Woche in Kleingruppen von maximal 10 Teilnehmern. Zum anderen wird mit jedem Teilnehmer im Rahmen der Betreuungsarbeit ein individuell zugeschnittenes Selbstlernpaket zur Verbesserung seiner Sprachkenntnisse erarbeitet und in seiner Umsetzung begleitet.

Ein weiteres Aufgabenfeld des Trägers ist die Organisation von Angeboten zur Förderung der kulturellen Kompetenz und zur gesellschaftlichen Integration der Teilnehmer. Hierzu werden zum einen entsprechende Lerninhalte (z.B. duales System der Berufsausbildung, Anforderun-gen und Organisation der Ausbildung im jeweiligen Ausbildungsberuf, Sozialversicherungs-system, landeskundliche Inhalte) in den berufsbezogenen Sprachunterricht und in die indivi-duellen Beratungsaktivitäten eingebunden, zum anderen werden geeignete Angebote organi-siert, die den Kontakt der ausländischen Teilnehmer zu Einheimischen fördern (z.B. Kennen-lerntag mit betrieblichen Auszubildenden und Ausbildungspersonal, Infotag an der Berufs-schule, Freizeitprogramm unter Einbindung von Vereinen und anderen ehrenamtlichen Akteu-ren, Ausflüge gemeinsam mit den Gastfamilien).

Vorbereitung der Ausbildung

Im Falle des Zustandekommens eines Ausbildungsvertrags wird die Zeit zwischen Praktikum und Ausbildungsbeginn genutzt, um die Voraussetzungen für einen möglichst reibungslosen und unproblematischen Einstieg des Teilnehmers in die Ausbildung zu schaffen. Dabei wird auch der Kontakt zum Teilnehmer über entsprechende Kommunikationskanäle systematisch aufrechterhalten.
Maßgebliche Aktivitäten im Rahmen dieser Vorbereitungsarbeit sind:
-    Unterstützung des Betriebs durch Übernahme von Aufgaben im Ausbildungsmanagement (Erstellung und Eintragung des Ausbildungsvertrags, Anmeldung bei der Berufsschule, Abwicklung erforderlicher Formalitäten etc.)
-    Erarbeitung eines teilnehmerspezifischen Ausbildungsplans gemeinsam mit dem Betrieb
-    Beratung des Betriebs hinsichtlich integrationsfördernder Maßnahmen (z.B. Festlegung eines betrieblichen Paten)
-    Beschaffung einer Wohnmöglichkeit für den Zeitraum der Ausbildung – nach Möglichkeit in einem für die Integration förderlichen Rahmen (z.B. Gastfamilie, Wohngemeinschaft mit Gleichaltrigen, Lehrlingswohnheim)
-    Vorbereitung eines zweisprachigen „Begrüßungspakets“ (Informationssammlung mit nützlichen Informationen für den Alltag)
-    für Teilnehmer mit Kindern: Organisation von Kinderbetreuung
-    Vorbereitung der betrieblichen Mitarbeiter auf die Aufgabe der Ausbildung ausländischer Azubis, gemeinsame Ausarbeitung eines „Integrationsprogramms“ (betrieblich, Freizeit-angebot) für die ersten Wochen der Ausbildung.

Ausbildungsaufnahme

Jeder Teilnehmer sollte natürlich möglichst schnell und reibungslos in den Betrieb bzw. in die Ausbildung integriert werden. Damit dieser sich von Beginn an auf diese konzentrieren kann, erscheint eine Einreise bereits ein bis zwei Woche vor dem Ausbildungsbeginn sinnvoll, um notwendige Aufgaben (z.B. Anmeldung bei Einwohnermeldeamt und Krankenversicherung, Kontoeröffnung, Wohnungseinzug, Klärung von Mobilitätsfragen) schon vor Beginn der Ausbildung erledigt zu haben.
Nach Möglichkeit soll zu Beginn ein gemeinsames Kennenlernwochenende gemeinsam mit betrieblichen Ausbildern, Tutoren und anderen Auszubildenden durchgeführt werden. Dieses hat – wie das oben erwähnte betriebliche „Integrationsprogramm“ – zum Ziel, dem ausländi-schen Auszubildenden eine schnelle Erschließung erster persönlicher Kontakte zu ermögli-chen.
Selbstverständlich begleitet das Personal der GSI die ersten Ausbildungstage im Betrieb bzw. in der Berufsschule durch entsprechende persönliche Kontakte.

Durchführung der Ausbildung

Der ausländische Auszubildende soll natürlich möglichst im allgemein vorgesehenen zeitli-chen Rahmen an einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss herangeführt werden. Hierzu be-nötigt er eine individuell zugeschnittene Unterstützung, die sich auf zwei wesentliche Aspekte konzentriert:
-    Bewältigung sprachlich bedingter Schwierigkeiten
-    soziale Integration im persönlichen Umfeld.

Stütz- und Förderunterricht

Zur Bewältigung und Prävention sprachlich bedingter Ausbildungsschwierigkeiten wird ein regelmäßiger Stütz- und Förderunterricht im wöchentlichen Umfang von 3 Unterrichtsstunden angeboten. Dieser besteht insbesondere aus sprachlicher Förderung – zum einen in Form eines Sprachkurses (siehe unten), zum anderen als Aufarbeitung der in Betrieb und Berufsschule behandelten Themen und Aufgaben schwerpunktmäßig unter sprachlichen Aspekten.

Sprachförderung und Sprachkurs

Die Sprachförderung, die sich über den gesamten Ausbildungszeitraum erstreckt, hat neben der Verminderung sprachlich bedingter Lernschwierigkeiten auch zum Ziel, den Auszubil-denden an ein jeweils höheres Sprachniveau heranzuführen. Die Teilnehmer treten in der Re-gel mit dem Sprachniveau B1 des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens ins Projekt ein. Im Verlauf der Ausbildung sollen sie schrittweise mindestens an das Niveau C1 herange-führt werden. B1 soll im Regelfall bis etwa zur Hälfte der Ausbildung erreicht sein, C1 zum Ende. Selbstverständlich erhalten die Teilnehmer Gelegenheit, die erworbenen Kenntnisse in einem TELC-Prüfungszentrum überprüfen und zertifizieren zu lassen.

Individuelle sozial- und berufspädagogische Begleitung

Die individuelle sozial- und berufspädagogische Begleitung erfolgt im Rahmen kontinuierli-cher persönlicher Kontakte und Einzelgespräche. Dabei soll auch die Unterstützung und Bera-tung des Ausbildungsbetriebs einen besonderen Stellenwert erhalten. Insbesondere geht es hierbei darum, ein Bewusstsein für die spezifische Situation des Auszubildenden zu schaffen, kulturelle Besonderheiten des Herkunftslandes vor Augen zu führen und im Betrieb im Rah-men seiner Möglichkeiten ein Diversity Management zu etablieren.

Förderplanung

Wie im Rahmen der Arbeit mit Zielgruppen mit Lernschwierigkeiten üblich, soll die sozial- und berufspädagogische Begleitarbeit auf Basis einer individuellen Förderplanung erfolgen. Der zuständige Sozialpädagoge erarbeitet unter Einbeziehung des Auszubildenden und aller an der Ausbildung Beteiligten für jeden Ausbildungsabschnitt einen entsprechenden Plan, legt Ziele und Zuständigkeiten fest, erarbeitet individuelle Zielvereinbarungen, verfolgt und kon-trolliert die Zielerrreichung im vereinbarten zeitlichen Rahmen.

Prüfungsvorbereitung

Einen speziellen Stellenwert hat natürlich auch die zielgruppenspezifische Prüfungsvorberei-tung. Diese umfasst folgende Teilaufgaben:
-    sprachliche Förderung (z.B. Lernen und Wiederholen von prüfungsrelevanten Vokabeln und Strukturen, Training der Situation „mündliche/praktische Prüfung),
-    fachliche Förderung: Erarbeiten und Wiederholen des prüfungsrelevanten Lernstoffs aus Betrieb und Berufsschule, Bearbeiten von Prüfungen früherer Ausbildungsjahre,
-    Förderung von Lern- und Arbeitsstrategien (z.B. Nutzung von Lernsoftware, allgemeine Tipps für die Bearbeitung von Prüfungsaufgaben,
-    Umgang mit Stress und Prüfungsangst.

Integrationsunterstützende Leistungen

Neben einem erfolgreichen Absolvieren der Berufsausbildung soll natürlich auch eine mög-lichst gute soziale Integration jedes einzelnen Projektteilnehmers in seinem persönlichen Le-bensumfeld erreicht werden. Diese Aufgabe beschränkt sich nicht nur auf den Zeitraum der Ausbildung, sondern zielt auch auf eine möglichst nachhaltige berufliche und gesellschaftli-che Integration im Anschluss daran ab.
Wie oben bereits angesprochen, soll nach Möglichkeit für die gesamte Ausbildungsdauer eine Unterbringungsmöglichkeit erschlossen werden, die vielfältige und regelmäßige sprachliche und soziale Kontaktmöglichkeiten eröffnet. Darüber hinaus eröffnet die sozialpädagogische Begleitarbeit durch entsprechende Angebote weitere Möglichkeiten.